CBD-Dosierung: Begriffe, Umrechnung und Titrationsprinzip

Die Frage nach der richtigen Menge ist in Wirklichkeit eine Rechenfrage und eine persönliche Frage zugleich. Wer die Begriffe kennt, kann sie mit Ärztin, Arzt oder Apotheke gezielt besprechen.

Geprüft von Bernard Vos am

Zuletzt aktualisiert am

Warum es keine allgemeingültige Menge gibt

Eine CBD-Menge ist kein einzelner Wert, sondern das Ergebnis aus vier Größen: Produktform, Konzentration, Einnahmeweg und Bioverfügbarkeit. Wer nur die Tropfenzahl betrachtet, vergleicht Dinge, die nicht vergleichbar sind.

Vielleicht steht bei Ihnen ein 5-Prozent-Öl auf dem Tisch und die Frage lautet: wie viele Tropfen? Diese Frage lässt sich rechnerisch beantworten, persönlich aber nicht pauschal. Körpergewicht, Stoffwechsel, Mahlzeiten und gleichzeitig eingenommene Medikamente verschieben das Bild.

CBDviva nennt deshalb keine Mengen. Diese Seite erklärt die Begriffe, damit Sie ein Gespräch in der Apotheke oder Arztpraxis gezielt führen können.

Die vier Bausteine einer Mengenangabe

Ohne alle vier Bausteine bleibt jede Umrechnung unvollständig.

Produktform entscheidet über die Feinheit der Abstufung. Ein Öl lässt sich tropfenweise anpassen. Eine Kapsel enthält eine feste Menge. Ein Pflaster gibt seinen Inhalt über Stunden ab.

Konzentration nennt den Gehalt pro Einheit. Ein 5-Prozent-Öl enthält rund 500 mg Cannabidiol pro 10 ml. Ein 10-Prozent-Öl im gleichen Fläschchen enthält rund 1.000 mg. Die Prozentangabe beschreibt also den Inhalt der Flasche, nicht die Menge pro Tropfen.

Einnahmeweg verändert das Tempo. Unter der Zunge gehalten verläuft die Aufnahme anders als beim Schlucken, wie unter sublinguale Einnahme beschrieben.

Bioverfügbarkeit ist der Anteil, der tatsächlich im Blutkreislauf ankommt. Die systematische Auswertung der pharmakokinetischen Studien zeigt deutliche Unterschiede zwischen den Einnahmewegen (Quelle: Millar et al., 2018). Die Zahlen dazu stehen unter Bioverfügbarkeit.

Von Prozent zu Milligramm: die Rechnung

Die Umrechnung von der Prozentangabe zum Gehalt pro Tropfen besteht aus zwei Schritten. Erst rechnen Sie den Gesamtgehalt der Flasche aus, dann teilen Sie ihn durch die Tropfenzahl.

Schritt eins: Prozent mal Volumen. Bei 5 Prozent in 10 ml sind das rund 500 mg. Bei 10 Prozent in 10 ml rund 1.000 mg. Bei 20 Prozent in 30 ml rund 6.000 mg.

Schritt zwei: Gesamtgehalt geteilt durch die Tropfenzahl. Eine Standardpipette gibt etwa 250 Tropfen pro 10 ml ab. Bei 500 mg ergibt das rund 2 mg pro Tropfen, bei 1.000 mg rund 4 mg.

Die Tropfenzahl pro Milliliter ist keine feste Größe. Öffnungsdurchmesser, Viskosität des Trägeröls und Temperatur verändern sie. Die ausführliche Rechnung mit mehreren Beispielen steht unter Milligramm pro Tropfen, die Einordnung der Prozentstufen unter CBD-Konzentration.

Warum Milligramm nicht gleich Milligramm ist

Zwei Produkte mit identischer Milligramm-Angabe führen nicht zu identischen Blutspiegeln, weil der Einnahmeweg dazwischensteht. Beim Schlucken passiert ein Teil zuerst den Leberstoffwechsel und wird dort umgebaut.

Beim Halten unter der Zunge nutzt ein Teil den Weg über die Mundschleimhaut. Die Aufnahme läuft dann anders ab. Die verfügbaren Humanstudien beschreiben diese Unterschiede, weisen aber auch auf große Streuungen zwischen einzelnen Personen hin (Quelle: Millar et al., 2018).

Für den Vergleich zweier Produkte bedeutet das: Die Angabe auf dem Etikett beschreibt den Inhalt, nicht das Ergebnis im Körper.

Das Titrationsprinzip

Titration bezeichnet ein schrittweises Vorgehen: niedrig beginnen, jede Stufe über mehrere Tage beobachten und erst danach anpassen. Das Prinzip stammt aus der Pharmakologie und wird in der Fachliteratur zu Cannabidiol regelmäßig beschrieben.

Der Gedanke dahinter ist einfach. Weil die Reaktionen zwischen Personen stark schwanken, lässt sich eine passende Menge nicht vorab berechnen. Kleine Schritte machen Veränderungen erkennbar und begrenzen zugleich das Risiko unerwünschter Begleiterscheinungen.

Warum die Beobachtungszeit pro Stufe mehrere Tage beträgt: Studien beschreiben Zeiträume von Tagen bis Wochen, nicht von Minuten. Wer nach zwei Tagen eine Stufe überspringt, verliert die Möglichkeit, ein Muster zu erkennen.

Mit welcher Ausgangsmenge Sie beginnen und wie groß die Schritte ausfallen, ist eine individuelle Frage. Diese Festlegung gehört in ein Gespräch mit Ärztin, Arzt oder Apotheke, besonders bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme.

Verteilung über den Tag

Dieselbe Tagesmenge lässt sich auf verschiedene Muster verteilen, und jedes Muster hat ein anderes zeitliches Profil.

Ein Zeitpunkt: die gesamte Menge in einem Durchgang. Das Muster ist einfach umzusetzen und erzeugt einen deutlichen Anstieg mit anschließendem Abfall.

Zwei Zeitpunkte: morgens und abends. Der Verlauf über 24 Stunden wird dadurch gleichmäßiger.

Mehrere kleine Zeitpunkte: das Muster, das unter Mikrodosierung beschrieben wird. Es verteilt die Menge auf drei bis fünf Gelegenheiten.

Welches Muster praktisch passt, hängt vom Tagesablauf ab. Eine inhaltliche Bewertung der Muster ist damit nicht verbunden.

Was Studien über verwendete Mengen berichten

In der Forschungsliteratur schwanken die eingesetzten Mengen erheblich, was den Vergleich mit Konsumprodukten erschwert. Klinische Untersuchungen arbeiteten teils mit sehr niedrigen, teils mit sehr hohen Tagesmengen.

Die höchsten Werte stammen aus arzneimittelrechtlich zugelassenen Anwendungen unter ärztlicher Aufsicht. Diese Studien betreffen ein zugelassenes Fertigarzneimittel und lassen sich auf frei verkäufliche Produkte nicht übertragen.

Eine Übersichtsarbeit fasste die Sicherheitsdaten aus klinischen Studien und Tierversuchen zusammen (Quelle: Iffland & Grotenhermen, 2017). Beschrieben werden unter anderem Müdigkeit, veränderter Appetit und Verdauungsbeschwerden, häufiger bei höheren Mengen. Genannt werden außerdem Veränderungen von Leberwerten bei anhaltend hohen Mengen in Studien.

Sicherheit bei Mengenfragen

Unabhängig von der Menge bleiben zwei Themen für alle relevant: Wechselwirkungen und bestehende Erkrankungen.

Cannabidiol beeinflusst Enzyme der Cytochrom-P450-Familie. Diese Enzyme sind auch am Abbau vieler Arzneimittel beteiligt. Deshalb ist die Rücksprache mit der Apotheke vor der ersten Anwendung sinnvoll, wie unter Wechselwirkungen ausgeführt.

Weitere Einordnungen finden Sie unter Nebenwirkungen und unter Schwangerschaft und Stillzeit.

Was auf Etiketten stehen darf

Für CBD gibt es in der EU keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben, deshalb dürfen Etiketten und Shops keine Wirkversprechen enthalten. Auch Formulierungen zu Mengen dürfen keinen therapeutischen Zusammenhang herstellen.

Diese Regel erklärt, warum seriöse Anbieter zurückhaltend formulieren. Der rechtliche Rahmen steht unter Health Claims und im Überblick unter Rechtslage in Deutschland.

Wann fachlicher Rat notwendig ist

  • bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten,
  • bei bestehenden Erkrankungen, besonders der Leber,
  • bei Schwangerschaft und in der Stillzeit,
  • bei Kindern und Jugendlichen,
  • bei ungewohnten Reaktionen nach der Einnahme.

In diesen Fällen ist die Apotheke oder die Arztpraxis der richtige Ansprechpartner, nicht die Produktbeschreibung eines Shops.

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Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Quellen

  1. 1.StudieA systematic review on the pharmacokinetics of cannabidiol in humansFrontiers in Pharmacology (). DOI: 10.3389/fphar.2018.01365
  2. 2.StudieAn update on safety and side effects of cannabidiol: a review of clinical data and relevant animal studiesCannabis and Cannabinoid Research (). DOI: 10.1089/can.2016.0034