CBG (Cannabigerol): das Mutter-Cannabinoid der Hanfpflanze
Geprüft von Bernard Vos am
Zuletzt aktualisiert am
Kurz gefasst
- CBG ist ein nicht berauschendes Cannabinoid aus der Hanfpflanze.
- Seine Säureform CBGA ist die Vorstufe von CBD, THC und weiteren Cannabinoiden.
- In reifen Pflanzen bleibt wenig CBG übrig, deshalb sind CBG-reiche Produkte teurer.
Was ist CBG?
Cannabigerol, kurz CBG, ist ein Cannabinoid aus Cannabis sativa, das in der Pflanze die Vorstufe vieler anderer Cannabinoide bildet. Daher stammt der Beiname Mutter-Cannabinoid.
Für Käufer bedeutet das vor allem eines: In einer jungen Pflanze steckt viel CBGA, die Säureform von CBG. Mit zunehmender Reife wandeln Enzyme dieses CBGA in andere Säureformen um, etwa in CBDA und THCA.
Am Ende der Reifung bleibt nur wenig CBGA übrig. Deshalb liegt der CBG-Gehalt fertiger Extrakte meist unter einem Prozent. Wo CBG in der Cannabinoid-Familie steht, zeigt die Übersicht der Cannabinoide.
Wie entsteht CBG in der Pflanze?
In der Hanfpflanze ist CBGA der Ausgangsstoff, aus dem Enzyme CBDA, THCA und CBCA bilden. Welcher Weg überwiegt, ist genetisch festgelegt und unterscheidet sich je nach Sorte.
CBD-reiche Sorten besitzen viel CBDA-Synthase, das Enzym für den Weg zu CBDA. THC-reiche Sorten besitzen entsprechend viel THCA-Synthase. Manche Sorten tragen beide Enzyme in unterschiedlichem Verhältnis.
Wie viel CBGA am Ende übrig bleibt, hängt vom Erntezeitpunkt ab. Für CBG-reiche Ware ernten Betriebe früher oder setzen auf gezüchtete Sorten mit gebremster Umwandlung. Das erhöht den CBG-Anteil, meist zu Lasten des CBD-Ertrags.
Von der Säureform zur neutralen Form geht es später über die Decarboxylierung. Denselben Schritt durchläuft auch CBDA auf dem Weg zu CBD.
Warum enthalten Produkte nur wenig CBG?
Weil in reifen Pflanzen der größte Teil des CBGA bereits umgewandelt ist, liegt der Gehalt im Endprodukt meist unter einem Prozent. Für ein Vollspektrum-Öl reicht das, um auf dem Laborbericht als eigene Zeile zu erscheinen.
Das erklärt auch den Preis CBG-reicher Öle. Für ein Öl mit fünf Prozent CBG braucht es mehr Pflanzenmaterial oder eine spezielle Sorte. Beides erhöht die Herstellungskosten.
CBG-Öle sind deshalb in der Regel teurer als CBD-Öle mit vergleichbarem Prozentwert. Die Verfügbarkeit ist zudem kleiner, weil weniger Betriebe darauf spezialisiert sind.
Wo setzt CBG im Körper an?
CBG bindet, ähnlich wie CBD, kaum an den CB1-Rezeptor im Gehirn und ruft deshalb keinen Rausch hervor. Untersucht werden stattdessen andere Ansatzpunkte, darunter alpha-2-adrenerge Rezeptoren und TRPV1-Kanäle.
Laborarbeiten beschreiben außerdem einen Einfluss auf die Wiederaufnahme bestimmter Botenstoffe (Quelle: Navarro et al., 2018). Was diese Befunde für Menschen bedeuten, ist offen. Klinische Studien am Menschen sind selten.
Festhalten lässt sich: CBG verhält sich pharmakologisch anders als CBD, obwohl beide nicht berauschen. Wer über ein Vollspektrum-Öl kleine Mengen CBG aufnimmt, merkt davon in der Praxis nichts.
Wie das Zusammenspiel mehrerer Pflanzenstoffe diskutiert wird, steht unter Entourage-Effekt. Die Rezeptor-Grundlagen erklärt die Seite Endocannabinoid-System.
Wie unterscheidet sich CBG von CBD, THC und CBN?
CBG unterscheidet sich in Herkunft, Struktur und Ansatzpunkten von den drei anderen bekannten Cannabinoiden.
Gegenüber CBD ist CBG deutlich weniger erforscht. Gegenüber THC fehlt der Rausch. Gegenüber CBN ist der Unterschied grundsätzlicher Art: CBG steht am Anfang der Biosynthese, CBN entsteht erst später durch Oxidation.
Auf einem ausführlichen Laborbericht tauchen alle vier meist getrennt auf. CBD ist der Hauptbestandteil, THC nur in Spuren, CBG und CBN in kleinen Mengen.
CBG in Produkten auf dem deutschen Markt
Am häufigsten begegnet Ihnen CBG als Begleitstoff in Vollspektrum- und Breitspektrum-Extrakten. Auf dem Laborbericht steht es dann mit einer Konzentration zwischen 0,1 und 1 Prozent.
Daneben gibt es Kombinationsprodukte, in denen CBG bewusst neben CBD dosiert wird. Und es gibt reine CBG-Öle, bei denen CBG das Hauptcannabinoid ist. Ein Öl mit fünf Prozent enthält rund 500 mg CBG je 10 ml.
Für alle drei Varianten gelten dieselben Qualitätsfragen wie bei CBD: unabhängiger Laborbericht je Charge, Transparenz über Extraktionsverfahren und Trägeröl. Den Vergleich der Spektren finden Sie unter CBD-Spektrum, Produkte unter CBD-Öl.
Beim Lesen des Berichts hilft die Seite Analysezertifikat. Steht dort für CBG "nicht nachweisbar", obwohl das Etikett CBG hervorhebt, passt etwas nicht zusammen.
Was gilt rechtlich für CBG?
Für CBG-haltige Lebensmittel gilt derselbe Novel-Food-Rahmen wie für CBD. Hanfextrakte mit Cannabinoiden sind in der EU als Lebensmittel bisher nicht zugelassen, siehe Novel Food.
Das Ausgangsmaterial muss aus zertifiziertem Nutzhanf stammen und die Grenze von 0,3 Prozent THC einhalten, siehe THC-Grenzwert. Für Kosmetik gelten die Regeln der EU-Kosmetikverordnung.
Bei der Kommunikation gilt der strengste Teil: Gesundheitsbezogene Aussagen sind für Cannabinoide nicht zugelassen. Was gesagt werden darf, beschreibt die Seite Health Claims, den Gesamtrahmen die Rechtslage in Deutschland.
Was die Forschung offen lässt
Die Forschung zu CBG steht deutlich hinter der Forschung zu CBD zurück. Drei Fragen sind ungeklärt.
Erstens die Menge: In Laborarbeiten werden sehr unterschiedliche Konzentrationen eingesetzt, ein belastbares Schema für Menschen fehlt. Zweitens das Verhältnis zu CBD: Ob sich beide Stoffe ergänzen oder überschneiden, ist nicht direkt untersucht. Drittens das Sicherheitsprofil: Es wirkt dem von CBD ähnlich, beruht aber auf einer kleineren Datenbasis.
Wenn Sie Medikamente einnehmen, gilt für CBG dieselbe Vorsicht wie für CBD, siehe Wechselwirkungen und Nebenwirkungen.
Häufige Fragen
Was ist CBG in einem Satz? CBG ist ein nicht berauschendes Cannabinoid aus Hanf. Seine Säureform CBGA ist die Vorstufe vieler anderer Cannabinoide.
Warum enthalten Produkte so wenig CBG? In der reifen Pflanze ist der größte Teil des CBGA bereits umgewandelt. Im fertigen Extrakt bleiben meist weniger als ein Prozent übrig.
Macht CBG high? Nein. CBG bindet ähnlich wie CBD kaum an den CB1-Rezeptor und ruft keinen Rausch hervor.
Gilt für CBG dasselbe Recht wie für CBD? Ja. Für Lebensmittel gilt der Novel-Food-Rahmen, für Werbung gelten dieselben strengen Regeln, und das Ausgangsmaterial muss die Nutzhanf-Grenze einhalten.
Die Informationen auf dieser Website dienen der Information und ersetzen keine ärztliche Beratung. Wenden Sie sich im Zweifel an Ihren Arzt oder Apotheker.
Quellen
- 2.Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects — British Journal of Pharmacology (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 3.Cannabidiol Novel Food consultation — European Food Safety Authority (EFSA) (). Abgerufen am 31. Juli 2026.
- 4.FAQ Hanf, THC, Cannabidiol (CBD) — Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (). Abgerufen am 31. Juli 2026.