Analysezertifikat (COA): so lesen Sie einen Laborbericht

Ein Analysezertifikat ist das einzige Dokument, das Auskunft über den tatsächlichen Inhalt einer CBD-Charge gibt. Wer weiß, wo die entscheidenden Zeilen stehen, braucht dafür keine zwei Minuten.

Geprüft von Bernard Vos am

Zuletzt aktualisiert am

Was ein Analysezertifikat ist

Ein Analysezertifikat ist ein Laborbericht, der die Zusammensetzung einer CBD-Charge unabhängig misst. Die englische Bezeichnung lautet Certificate of Analysis, abgekürzt COA. Beide Begriffe meinen dasselbe Dokument.

Der Vergleich mit Lebensmitteln liegt nahe. Eine Mühle lässt ihr Mehl auf Reinheit prüfen, bevor es in den Handel geht. Für Hanfextrakt übernimmt das COA diese Rolle.

Ein aussagekräftiges Zertifikat enthält mindestens:

  • den Cannabidiol-Gehalt in Milligramm pro Milliliter oder in Prozent,
  • weitere Cannabinoide wie CBG, CBN und CBDA,
  • den THC-Gehalt der Charge,
  • Pestizide, Herbizide und Schwermetalle,
  • Lösemittelreste aus der Extraktion,
  • Datum, Chargennummer und Unterschrift des Labors.

Ohne dieses Dokument bleibt der tatsächliche Inhalt einer Flasche unbekannt. Warum das kein theoretisches Problem ist, zeigen Marktuntersuchungen mit erheblichen Abweichungen zwischen Etikett und Messwert (Quelle: Bonn-Miller et al., 2017).

Unabhängiges Labor oder Eigenprüfung?

Ein Zertifikat aus einem unabhängigen, nach ISO 17025 akkreditierten Labor hat die höchste Aussagekraft. Auf vielen Verpackungen steht lediglich „laborgeprüft". Diese Angabe allein sagt nichts darüber, wer geprüft hat.

Drei Varianten kommen in der Praxis vor:

  • Eigenes Labor des Herstellers: möglich, aber die prüfende Stelle hat ein wirtschaftliches Interesse am Ergebnis.
  • Externes Labor ohne Akkreditierung: unabhängig, jedoch ohne geprüfte Qualitätsnorm im Hintergrund.
  • Akkreditiertes Labor nach ISO 17025: extern und nach internationaler Norm arbeitend.

ISO 17025 ist die Norm für die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboren. Ein akkreditiertes Labor dokumentiert seine Verfahren und lässt sich regelmäßig überprüfen. Der Name des Labors steht im Kopf des Berichts, meist mit Anschrift und Kontaktdaten.

Welche Werte Sie prüfen sollten

Sechs Zeilen entscheiden darüber, ob ein Bericht zu Ihrem Produkt passt: Cannabidiol, THC, weitere Cannabinoide, Pestizide, Schwermetalle und Lösemittelreste. Der Rest ist Kontext.

Cannabidiol-Gehalt: Vergleichen Sie den Messwert mit dem Etikett. Bei einer 10-ml-Flasche mit 5 Prozent erwarten Sie rund 500 mg. Kleine Abweichungen sind bei Naturprodukten üblich, große sind ein Grund zur Nachfrage.

THC-Gehalt: In Deutschland gilt für Nutzhanf nach dem Konsumcannabisgesetz eine Grenze von 0,3 Prozent THC. Für Lebensmittel kommen zusätzlich die Kontaminanten-Höchstgehalte der EU hinzu. Die Einordnung dazu steht unter THC-Grenzwert für CBD-Produkte.

Weitere Cannabinoide: Das Profil sollte zum angegebenen Spektrum passen. Ein Isolat zeigt praktisch nur Cannabidiol, ein Vollspektrum-Extrakt mehrere Nebencannabinoide. Der Unterschied ist unter CBD-Spektrum erklärt.

Pestizide: Der Bericht listet die geprüften Substanzen einzeln auf. Daneben steht „nicht nachweisbar" oder ein Wert unterhalb der Höchstmenge.

Schwermetalle: Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen gehören dazu. Hanf nimmt Metalle aus dem Boden auf, deshalb ist diese Prüfung kein Formalismus.

Lösemittelreste: Bei der CO2-Extraktion liegen die Werte üblicherweise sehr niedrig. Bei Extraktion mit Ethanol steht ein Restwert im Bericht, der unter der Grenze bleiben muss.

Woran Sie erkennen, dass ein Bericht zur Flasche gehört

Ein belastbares Zertifikat trägt eine Chargennummer, die Sie auf der Verpackung wiederfinden. Stimmen die Nummern nicht überein, gehört das Dokument zu einer anderen Produktion.

Prüfen Sie fünf Punkte:

  1. Chargennummer: identisch auf Flasche und Bericht.
  2. Produktname und Füllmenge: passen zum gekauften Artikel.
  3. Laborname und Kontaktdaten: vorhanden und nachprüfbar.
  4. Prüfdatum: je aktueller, desto besser passt der Bericht zur Charge.
  5. Unterschrift oder digitale Signatur: vorhanden und nicht abgeschnitten.

Ein Bericht aus dem Jahr 2022 zu einer Flasche aus dem laufenden Jahr sagt wenig aus. Cannabinoide verändern sich über die Lagerzeit, und jede Ernte fällt anders aus.

Schritt für Schritt durch das Dokument

Ein COA sieht technisch aus, lässt sich aber in vier Schritten lesen. Sie brauchen dafür keine Laborausbildung.

Beginnen Sie oben mit Produktname und Chargennummer. Passen beide zu Ihrer Flasche, geht es weiter zur Cannabinoid-Tabelle. Dort suchen Sie zuerst die Zeile mit Cannabidiol und vergleichen den Wert mit dem Etikett.

Im dritten Schritt suchen Sie die THC-Zeile. Bei Vollspektrum-Produkten steht dort ein niedriger, aber messbarer Wert. Im vierten Schritt überfliegen Sie die Reinheitstabellen. Stehen dort durchgehend Werte unterhalb der Grenze oder der Vermerk „nicht nachweisbar", ist der Bericht in Ordnung.

Manche Labore geben zusätzlich ein Terpenprofil an. Diese Angabe ist bei Vollspektrum-Ölen interessant, für die Beurteilung der Reinheit aber nicht entscheidend.

Was sonst noch im Bericht steht

Neben den Messwerten enthält ein Zertifikat Angaben zur Methode, und die sagen etwas über die Sorgfalt des Labors aus. Üblich sind Kürzel wie HPLC für die Cannabinoid-Bestimmung oder GC-MS für Lösemittel und Pestizide.

Häufig steht neben jedem Wert eine Bestimmungsgrenze, oft als LOQ abgekürzt. Sie gibt an, ab welcher Menge das Verfahren zuverlässig messen kann. Ein Eintrag unterhalb dieser Grenze bedeutet also nicht null, sondern zu wenig für eine belastbare Zahl.

Manche Berichte nennen zusätzlich die Probenmenge und das Eingangsdatum der Probe. Liegen Eingangsdatum und Prüfdatum weit auseinander, lohnt eine Nachfrage. Kurze Wege zwischen Abfüllung, Probennahme und Analyse sprechen für einen geordneten Ablauf beim Hersteller.

Wenn kein Zertifikat verfügbar ist

Fehlt ein öffentlich zugängliches Zertifikat, bleibt zu viel offen, um einem Produkt zu vertrauen. Der Vergleich mit einer Flasche Wein ohne Etikett passt gut: Sie wissen nicht, was Sie einschenken.

Drei Situationen kommen vor:

  1. Kein Bericht auf der Website: Fragen Sie beim Kundenservice nach. Die Reaktionszeit sagt bereits etwas über die Transparenz aus.
  2. Bericht vorhanden, aber veraltet: Bitten Sie um die aktuelle Version für Ihre Charge.
  3. Bericht fehlt ohne Erklärung: Ein anderer Anbieter ist dann die einfachere Wahl.

Transparenz ist eine Entscheidung des Herstellers. Wer nichts zu verbergen hat, macht das Dokument leicht auffindbar, etwa über einen QR-Code auf dem Karton.

Was ein Zertifikat nicht leistet

Ein Analysezertifikat beschreibt die Zusammensetzung, nicht die Wirkung eines Produkts. Es belegt, wie viel Cannabidiol enthalten ist und wie sauber die Charge gemessen wurde. Aussagen zu gesundheitlichen Effekten lassen sich daraus nicht ableiten und sind für CBD in Deutschland auch nicht zulässig. Der rechtliche Hintergrund steht unter Health Claims.

Ebenso wenig sagt ein COA etwas über eine passende Menge aus. Welche Größen dabei eine Rolle spielen, ordnet die Seite CBD-Dosierung: Begriffe und Grundlagen ein.

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Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Quellen

  1. 1.Cannabidiol Novel Food consultationEuropean Food Safety Authority ()
  2. 2.StudieLabeling Accuracy of Cannabidiol Extracts Sold OnlineJAMA (). DOI: 10.1001/jama.2017.11909
  3. 3.Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in LebensmittelnEuropäische Union ()