CBD-Qualität: woran Sie gute Produkte erkennen
Bei CBD schwankt die Qualität von Produkt zu Produkt und sogar von Charge zu Charge. Ein unabhängiger Laborbericht ist der wichtigste Maßstab: Er zeigt, was tatsächlich in der Flasche ist, unabhängig davon, was auf dem Etikett steht.
Geprüft von Bernard Vos am
Zuletzt aktualisiert am
Warum Qualität bei CBD eine berechtigte Frage ist
Bei CBD-Produkten schwankt die Zusammensetzung stärker als bei den meisten anderen Nahrungsergänzungsmitteln. Untersuchungen zeigten, dass ein erheblicher Teil der online verkauften Produkte nicht zum Etikett passte. Bonn-Miller und Kollegen prüften 2017 Dutzende Öle, Kapseln und Liquids. Nur eine Minderheit war korrekt ausgezeichnet (Quelle: Bonn-Miller et al., 2017).
Eine spätere Marktstichprobe kam zu einem ähnlichen Bild (Quelle: Gurley et al., 2020). Stellen Sie sich vor, Sie kaufen eine Flasche mit der Angabe 10 Prozent. Bei 10 ml erwarten Sie rund 1.000 mg Cannabidiol. Ohne Laborbericht bemerken Sie eine Abweichung nach oben oder unten schlicht nicht.
Nicht jede Abweichung geht auf schlechte Absicht zurück. Hanf ist ein Naturprodukt, und Ernten fallen unterschiedlich aus. Sorgfältige Hersteller koppeln deshalb jede Charge an einen eigenen Laborbericht.
Was ein vollständiger Laborbericht zeigt
Ein Analysezertifikat, kurz COA, ist ein unabhängiger Laborbericht zu einer einzelnen Produktcharge. Ein vollständiger Bericht deckt fünf Bereiche ab: Cannabinoid-Profil, Terpene, Pestizide, Schwermetalle und mikrobiologische Prüfung.
Das Cannabinoid-Profil nennt den Gehalt in Milligramm pro Milliliter oder in Prozent. Neben Cannabidiol stehen dort weitere Cannabinoide wie CBG, CBN und CBDA. Auch der THC-Gehalt gehört in diese Tabelle. Für Produkte aus zertifiziertem Nutzhanf gilt in Deutschland eine Grenze von 0,3 Prozent THC, die Einordnung dazu steht unter THC-Grenzwert.
Die Terpene sind die aromatischen Bestandteile der Pflanze. Sie tauchen nicht in jedem Bericht auf, ergänzen bei Vollspektrum-Produkten aber das Bild. Mehr dazu unter Terpene im Hanf.
Die Pestizid-Prüfung ist kein Beiwerk. Hanf nimmt Rückstände aus dem Boden auf, deshalb listet ein guter Bericht die geprüften Wirkstoffe einzeln auf. Daneben steht jeweils „nicht nachweisbar" oder ein Wert unterhalb der zulässigen Höchstmenge.
Die Schwermetall-Prüfung betrifft Blei, Cadmium, Arsen und Quecksilber. Hanf wird sogar zur Bodenreinigung eingesetzt, weil die Pflanze Metalle aufnimmt. Genau deshalb ist dieser Prüfpunkt ernst zu nehmen. Die mikrobiologische Prüfung sucht nach Schimmel, Hefen und Bakterien.
Die fünf Prüfpunkte für Verbraucher
Wer nicht jedes Mal einen kompletten Laborbericht durcharbeiten möchte, kommt mit fünf Punkten weit. Erfüllt eine Marke diese Punkte sauber, ist die Wahrscheinlichkeit für ein solides Produkt hoch.
- Laborbericht pro Charge: nicht einmalig für die Marke, sondern für genau die Charge in Ihrer Hand.
- Vollständiges Cannabinoid-Profil: nicht nur Cannabidiol, sondern auch THC und die Begleit-Cannabinoide.
- Reinheitsprüfungen: Pestizide, Schwermetalle, Lösemittelreste und Mikrobiologie.
- Chargennummer auf der Verpackung: sie muss mit der Nummer im Bericht übereinstimmen.
- Herstellungs- und Mindesthaltbarkeitsdatum: beide gehören sichtbar auf das Etikett.
Wie Sie die einzelnen Werte lesen, steht ausführlich unter Analysezertifikat lesen und prüfen.
Warnsignale, bei denen Sie besser weitersuchen
Bestimmte Signale sprechen gegen ein Produkt, auch wenn sie kein Beweis für einen Mangel sind.
Kein Laborbericht auffindbar. Reagiert eine Marke auf die Nachfrage nach einem COA gar nicht, ist das ein deutliches Zeichen. Seriöse Anbieter veröffentlichen die Berichte auf der Produktseite oder hinter einem QR-Code.
Bericht passt nicht zur Charge. Häufiger als gedacht liegt ein veralteter Bericht bei. Vergleichen Sie die Chargennummer auf Flasche und Dokument.
Auffällig niedriger Preis. Rohstoff, Extraktion und Laboranalyse kosten Geld. Ein sehr günstiges Produkt spart diese Posten meist an einer Stelle ein.
Gesundheitsbezogene Werbung. In Deutschland sind gesundheitsbezogene Angaben für CBD nicht zugelassen. Wirbt ein Shop trotzdem mit Wirkversprechen, zeigt das, wie ernst er Vorschriften nimmt. Der rechtliche Rahmen steht unter Health Claims.
Vage Zusammensetzung. „Pflanzliches Öl" ohne Angabe der Sorte oder „natürliche Inhaltsstoffe" ohne Liste sagen nichts aus.
Warum die Charge wichtiger ist als der Markenname
Auch eine gute Marke kann eine schwächere Charge haben, denn Qualität entsteht in jedem Produktionsdurchlauf neu. Deshalb zählt die Rückverfolgbarkeit mehr als der Ruf des Herstellers. Jede Flasche trägt eine eigene Chargennummer, und zu jeder Nummer gehört ein eigener Bericht.
Wenn Sie einem Produkt über längere Zeit treu bleiben, lohnt sich ein Stichprobenblick auf neue Berichte. Große Hersteller veröffentlichen sie direkt online. Kleinere schicken sie auf Anfrage. Dauert diese Antwort auffällig lange, ist auch das eine Information.
Welche Hersteller wir führen und wo deren Berichte liegen, sehen Sie in der Markenübersicht.
Was Sie selbst prüfen können
Neben dem Laborbericht gibt es einfache Kontrollen, die Sie zu Hause durchführen können. Sie ersetzen keine Analyse, ergänzen sie aber sinnvoll.
Aussehen: Ein Öl auf Isolat- oder Breitspektrum-Basis ist meist klar bis hell bernsteinfarben. Vollspektrum-Öl wirkt dunkler und grünbraun. Trübungen ohne Erklärung sind ungewöhnlich.
Geruch: Frisches Hanfextrakt riecht erdig und pflanzlich. Ein ranziger oder stechender Geruch weist auf Oxidation hin.
Verpackung: Dunkles Glas mit dichter Pipette schützt den Inhalt vor Licht. Klare Flaschen oder undichte Verschlüsse sind ein Nachteil bei der Lagerung.
Etikett: Chargennummer, Füllmenge, Milligramm-Angabe und Haltbarkeitsdatum gehören darauf. Fehlt die Chargennummer, lässt sich kein Bericht zuordnen. Welche Trägeröle üblich sind, lesen Sie unter MCT-Öl als Trägeröl.
Sagt der Preis etwas über die Qualität?
Der Preis ist ein Hinweis, aber kein Beleg. Sehr günstige Angebote sind auffällig, weil allein Rohstoff und Analyse einen Sockelbetrag verursachen. In der mittleren Preisklasse bewegen sich die meisten laborgeprüften Markenprodukte.
Hohe Preise bedeuten nicht automatisch mehr Qualität. Ein Teil des Aufschlags entfällt bei Premium-Positionierung auf Marke und Verpackung. Vergleichen Sie deshalb den Preis pro Milligramm Cannabidiol statt den Preis pro Flasche. Wie die Prozentangabe mit dem Milligramm-Gehalt zusammenhängt, erklärt CBD-Konzentration.
Qualität und Rechtslage hängen zusammen
Qualitätsanforderungen entstehen in Deutschland aus mehreren Regelwerken gleichzeitig. Für Extrakte in Lebensmitteln ist das Novel-Food-Verfahren auf EU-Ebene noch nicht abgeschlossen. Die Einordnung dazu steht unter Novel Food und im Überblick unter Rechtslage in Deutschland.
Eine Pflicht zur Veröffentlichung des Laborberichts gibt es nicht. Genau deshalb ist die freiwillige Transparenz eines Herstellers ein so brauchbares Unterscheidungsmerkmal.
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Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
Quellen
- 1.StudieLabeling Accuracy of Cannabidiol Extracts Sold Online — JAMA (). DOI: 10.1001/jama.2017.11909
- 2.StudieContent versus Label Claims in Cannabidiol (CBD)-Containing Products Obtained from Commercial Outlets — Journal of Dietary Supplements (). DOI: 10.1080/19390211.2020.1766634
- 3.Cannabidiol Novel Food consultation — European Food Safety Authority ()