Decarboxylierung: aus CBDA wird CBD

In der lebenden Hanfpflanze steckt fast kein CBD, sondern dessen Säureform CBDA. Erst kontrollierte Wärme macht daraus das Cannabidiol, das später auf dem Etikett steht.

Geprüft von Bernard Vos am

Zuletzt aktualisiert am

Was Decarboxylierung ist

Decarboxylierung ist eine chemische Reaktion, bei der ein Molekül unter Wärme eine Carboxylgruppe als Kohlendioxid abgibt. Bei Hanf betrifft das die Säureformen der Cannabinoide, allen voran CBDA.

Stellen Sie sich eine frisch geerntete Hanfpflanze vor. Was darin steckt, ist zum größten Teil CBDA und nicht Cannabidiol. Solange keine Wärme dazukommt, bleibt das auch so.

Der Name beschreibt den Vorgang wörtlich: Die Carboxylgruppe, chemisch COOH, wird abgespalten. Zurück bleibt die neutrale Form, also CBD.

Die chemische Grundlage

Die Reaktion braucht eine Mindesttemperatur, danach läuft sie von selbst weiter. Für CBDA setzt sie messbar oberhalb von rund 100 Grad Celsius ein, mit brauchbarer Geschwindigkeit zwischen 110 und 130 Grad Celsius (Quelle: Wang et al., 2016).

Zwei Größen bestimmen das Ergebnis: Temperatur und Zeit. Bei niedriger Temperatur dauert die Umwandlung lange und bleibt oft unvollständig. Bei hoher Temperatur geht es schnell, dafür steigt der Abbau des entstandenen Cannabidiols.

Dieselbe Reaktion betrifft auch die anderen Säureformen. Aus CBGA wird CBG, und aus THCA wird THC. Bei Nutzhanf sind die THCA-Mengen gering, der Zusammenhang bleibt aber bestehen.

Warum Fertigprodukte diesen Schritt brauchen

Ohne Decarboxylierung enthält ein Öl kein CBD, sondern CBDA, und das ist ein anderer Stoff. Wer Cannabidiol erwartet, bekommt dann etwas chemisch Verwandtes, aber nicht dasselbe.

CBD ist die deutlich besser untersuchte der beiden Formen. Zu CBDA liegen weit weniger Daten vor, und Forschungsgruppen betrachten es meist getrennt (Quelle: Citti et al., 2019).

Für die Kennzeichnung heißt das: Auf einem umgewandelten Produkt steht ein CBD-Gehalt. Auf einem Raw-Produkt steht ein CBDA-Anteil oder eine Gesamt-Cannabinoid-Angabe.

Wie der Schritt in der Produktion abläuft

In der industriellen Verarbeitung ist die Decarboxylierung eine eigene Station zwischen Extraktion und Formulierung. Sie findet in einem beheizten Reaktor oder Ofen mit geregelter Temperatur statt.

Üblich sind 30 bis 90 Minuten bei 110 bis 130 Grad Celsius. Die genauen Werte hängen vom Ausgangsmaterial und vom Zielprofil ab. Drei Punkte entscheiden über das Ergebnis:

  • Temperaturführung: gleichmäßig gehalten, ohne Spitzen an der Behälterwand.
  • Bewegung: Rühren verhindert lokale Überhitzung im zähen Extrakt.
  • Atmosphäre: unter Stickstoff oder Vakuum oxidiert weniger als an offener Luft.

Manche Betriebe erhitzen bereits das Pflanzenmaterial vor der CO₂-Extraktion. Beide Reihenfolgen sind gebräuchlich und führen zu vergleichbaren Ergebnissen.

Was bei falscher Prozessführung passiert

Zwei Fehlerbilder treten auf, und beide lassen sich im Laborbericht erkennen.

Unvollständige Umwandlung entsteht bei zu niedriger Temperatur oder zu kurzer Dauer. Der Bericht zeigt dann neben dem CBD-Wert einen auffällig hohen CBDA-Anteil. Wer die Gesamtzahl auf dem Etikett liest, überschätzt in diesem Fall den CBD-Gehalt.

Abbau durch Überhitzung ist der umgekehrte Fall. Bei zu langer oder zu heißer Führung zerfällt ein Teil des Cannabidiols in Folgeprodukte. Im Bericht sinkt der CBD-Wert, und ungewöhnliche Nebenpeaks tauchen auf.

Auch die Terpene leiden unter zu viel Hitze. Sie sind leichtflüchtig und verlassen das Extrakt früher als die Cannabinoide, was für Vollspektrum-Produkte einen Unterschied macht.

Raw-Produkte: bewusst begrenzte Umwandlung

Einige Hersteller verzichten absichtlich auf die vollständige Umwandlung und verkaufen das Ergebnis als Raw-Variante. Im Produkt bleibt dann ein deutlicher CBDA-Anteil erhalten.

Ein typischer Laborbericht zeigt bei solchen Ölen etwa 4 Prozent CBDA neben 1 Prozent CBD. Das ist kein Produktionsfehler, sondern die Absicht hinter der Rezeptur.

Wichtig ist der Vergleich der richtigen Zahlen. Wer ein Raw-Öl anhand der Gesamt-Cannabinoid-Angabe mit einem klassischen Öl vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Dinge. Welche Größen beim Rechnen zählen, ordnet CBD-Dosierung ein.

Decarboxylierung und der THC-Gehalt

Der Wärmeschritt wandelt auch vorhandenes THCA in THC um, und das ist rechtlich relevant. Bei zertifiziertem Nutzhanf sind die Ausgangsmengen klein, doch der Endwert zählt.

Deshalb prüft das Labor den THC-Gehalt der fertigen Charge und nicht den des Pflanzenmaterials. Welche Grenze in Deutschland gilt und worauf sie sich bezieht, steht unter THC-Grenzwert.

Den größeren rechtlichen Rahmen für Hanfprodukte beschreibt Rechtslage in Deutschland. Für Extrakte in Lebensmitteln ist das Novel-Food-Verfahren auf EU-Ebene weiterhin offen.

Was im Laborbericht steht

Der Erfolg der Umwandlung lässt sich an zwei Zeilen ablesen: dem CBD-Wert und dem CBDA-Wert. Steht dort viel CBD und wenig CBDA, war die Führung sauber.

Viele Berichte nennen zusätzlich eine Gesamtangabe, oft als „Total CBD" bezeichnet. Sie rechnet das enthaltene CBDA mit einem Faktor von etwa 0,877 in CBD um. Diese Zahl beschreibt also ein rechnerisches Potenzial, nicht den tatsächlich vorhandenen CBD-Gehalt.

Wer beide Werte nebeneinander liest, erkennt den Unterschied sofort. Wie der Rest des Dokuments aufgebaut ist, erklärt Analysezertifikat lesen und prüfen.

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Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Quellen

  1. 1.StudieDecarboxylation Study of Acidic CannabinoidsCannabis and Cannabinoid Research (). DOI: 10.1089/can.2016.0020
  2. 2.StudieAnalysis of impurities of cannabidiol from hempJournal of Pharmaceutical and Biomedical Analysis (). DOI: 10.1016/j.jpba.2019.03.011
  3. 3.Cannabidiol Novel Food consultationEuropean Food Safety Authority ()