CBD-Wirkdauer: Zeitverlauf und Verweildauer im Körper

Hinter der Frage nach der Wirkdauer stecken zwei getrennte Größen: wann die Blutkonzentration steigt und wie lange die Substanz danach nachweisbar bleibt. Beide beschreiben Messwerte, keine Erfahrung.

Geprüft von Bernard Vos am

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Zwei getrennte Zeitgrößen

Der Begriff Wirkdauer vermischt zwei Messgrößen: die Anflutungszeit bis zum Anstieg der Blutkonzentration und die Verweildauer bis zum weitgehenden Abbau. Wer beide trennt, bekommt zwei klare Antworten statt einer unklaren.

Die erste Größe hängt fast vollständig vom Einnahmeweg ab. Die zweite hängt zusätzlich vom Abbau in der Leber und von der Verteilung im Gewebe ab.

Beide Größen stammen aus Blutproben. Sie beschreiben eine Kurve im Labor, und sie beschreiben nicht, was jemand empfindet. Den größeren Rahmen dazu bietet die Übersicht zur CBD-Anwendung.

Was diese Zahlen ausdrücklich nicht sagen

Für Cannabidiol existiert in der EU keine einzige zugelassene gesundheitsbezogene Aussage, weshalb Zeitangaben hier ausschließlich Messwerte beschreiben. Die Health-Claims-Verordnung arbeitet mit einem Verbot mit Erlaubnisvorbehalt.

Eine Zeitangabe wird schnell zur Aussage über einen Nutzen, wenn sie mit einem Versprechen verbunden wird. Genau diese Verbindung ist unzulässig, und sie ist in Deutschland ein häufiger Grund für Abmahnungen durch Wettbewerber.

Formulierungen wie "nach 30 Minuten spüren Sie" gehören deshalb nicht auf eine Produktseite. Zulässig bleibt die nüchterne Beschreibung der Pharmakokinetik, also des Verlaufs im Blut. Die Regeln dazu stehen unter Health Claims.

Zeitliche Größenordnungen nach Einnahmeweg

Die humanpharmakokinetischen Studien liefern trotz sehr unterschiedlicher Protokolle vergleichbare Größenordnungen (Quelle: Millar et al., 2018). Die folgenden Spannen sind Orientierungswerte aus kleinen Untersuchungsgruppen.

EinnahmewegAnstieg der BlutkonzentrationGrößenordnung der Verweildauer
Inhalativwenige Minutenetwa 2 bis 4 Stunden
Über die Mundschleimhaut15 bis 45 Minutenetwa 4 bis 6 Stunden
Geschluckt (Kapsel, Lebensmittel)30 Minuten bis 2 Stundenetwa 6 bis 8 Stunden
Auf der Hautkeine relevante systemische Kurveörtlich begrenzt

Zwei Einschränkungen gehören zu jeder dieser Zeilen. Die Gruppen waren klein, und die Einzelwerte innerhalb einer Gruppe streuen erheblich.

Warum der Einnahmeweg den Zeitverlauf bestimmt

Jeder zusätzliche Schritt zwischen Aufnahme und Blutkreislauf kostet Zeit und verändert die Form der Kurve.

Beim Inhalieren ist die Strecke am kürzesten. Die Lungenbläschen bieten eine große Austauschfläche mit einer sehr dünnen Trennschicht zum Blut. Der Anstieg erfolgt fast sofort, und der Abfall setzt entsprechend früh ein.

Beim Schlucken ist die Strecke am längsten. Der Weg führt über Magen und Darm in die Pfortader und von dort zuerst durch die Leber. Dieser erste Leberdurchgang baut einen Teil der Menge ab, bevor sie den übrigen Körper erreicht.

Daraus folgt eine Regel, die auf fast allen Wegen gilt. Ein schneller Anstieg geht mit einem kurzen Verlauf einher, ein langsamer Anstieg mit einem flacheren und längeren. Die Mengenseite dieser Frage beschreibt die Seite Bioverfügbarkeit.

Der Sonderfall unter der Zunge

Die sublinguale Einnahme erzeugt einen zweistufigen Verlauf, weil sie zwei Aufnahmewege gleichzeitig nutzt.

Der Anteil, der über die Mundschleimhaut aufgenommen wird, erreicht den Kreislauf innerhalb einiger Dutzend Minuten. Der geschluckte Rest folgt später über den Verdauungsweg.

Diese Doppelstruktur erklärt, warum Erfahrungsberichte zu diesem Weg so weit auseinandergehen. Wer das Öl 90 Sekunden hält, erzeugt eine andere Kurve als jemand, der sofort schluckt, und zwar mit demselben Produkt. Die Technik dazu steht unter sublinguale Einnahme.

Haut und Pflaster folgen einer anderen Logik

Auf der Haut aufgetragene Mengen bleiben weitgehend in der behandelten Zone, weshalb eine systemische Zeitangabe dort wenig aussagt.

Ein Balsam oder ein Massageöl verteilt sich in den oberen Hautschichten. Cannabidiol ist fettlöslich, und die Hautbarriere lässt nur sehr wenig davon in den Kreislauf. Der Rahmen dazu steht unter CBD-Kosmetik.

Ein transdermales Pflaster verfolgt ein anderes Prinzip. Es gibt seinen Inhalt über viele Stunden gleichmäßig ab, statt einen kurzen Anstieg zu erzeugen. Belastbare veröffentlichte Daten zu dieser Form sind bislang dünn, siehe CBD-Pflaster.

Halbwertszeit und Verweildauer

Die Halbwertszeit beschreibt die Zeit, in der die Blutkonzentration auf die Hälfte sinkt, und sie liegt deutlich über der Dauer, die üblicherweise beschrieben wird.

Die Übersichtsarbeit zur Humanpharmakokinetik nennt für Cannabidiol eine sehr weite Spanne, von wenigen Stunden nach einmaliger Gabe bis zu mehreren Tagen bei wiederholter oraler Einnahme (Quelle: Millar et al., 2018). Diese Streuung spiegelt die Vielfalt der Methoden ebenso wie die der Personen.

Zwei Vorgänge verlängern die Verweildauer. Cannabidiol lagert sich in Fettgewebe ein und wird von dort langsam wieder abgegeben, und der Abbau über die Leberenzyme läuft je nach Person unterschiedlich schnell.

Daraus ergibt sich ein praktischer Punkt. Nach mehreren Tagen regelmäßiger Einnahme pendelt sich der Blutspiegel auf ein gleichmäßigeres Niveau ein als nach einer einzelnen Gabe. Verteilungsmuster über den Tag beschreibt die Seite Mikrodosierung.

Was die Zeiten zwischen Personen verschiebt

Fünf Faktoren erklären den größten Teil der individuellen Unterschiede.

Die Mahlzeit verändert den geschluckten Weg am stärksten. In einer kontrollierten Untersuchung stiegen die Blutwerte nach einer fettreichen Mahlzeit deutlich höher als im nüchternen Zustand (Quelle: Taylor et al., 2018).

Die Körperzusammensetzung spielt hinein, weil sich eine fettlösliche Substanz im Gewebe anders verteilt als im Blut.

Die Aktivität der Leberenzyme unterscheidet sich genetisch, was die Abbaugeschwindigkeit verändert.

Gleichzeitig eingenommene Arzneimittel beanspruchen zum Teil dieselben Enzyme, mit Folgen in beide Richtungen (Quelle: Iffland & Grotenhermen, 2017).

Die Regelmäßigkeit verschiebt den Startpunkt. Bei täglicher Einnahme addiert sich eine neue Menge zu dem, was noch vorhanden ist.

Routine, Zeitpunkt und rechtlicher Rahmen

Der Zeitpunkt der Einnahme ist eine Frage der Alltagsplanung und keine Frage der Wirkung. Viele Menschen nehmen ihre Menge zu festen Tageszeiten, etwa zum Frühstück oder am Abend, einfach weil feste Zeiten leichter einzuhalten sind.

Cannabidiol beeinflusst Leberenzyme der Cytochrom-P450-Familie, die zahlreiche Arzneimittel abbauen. Ein zeitlicher Abstand zwischen zwei Einnahmen räumt diese Frage nicht aus. Der Hintergrund steht unter Wechselwirkungen und Nebenwirkungen.

Die lange Verweildauer hat eine weitere Folge. Ein kurzer Abstand zwischen Einnahme und einer Verkehrskontrolle ist kein sinnvolles Sicherheitskriterium, weil Nachweisfragen am THC-Gehalt des Produkts hängen. Dazu gehören THC-Grenzwerte und CBD im Straßenverkehr.

Lebensmittelrechtlich bleibt die Lage ungeklärt. Das BVL stuft CBD-Extrakte als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel ein, und die Länderbehörden handhaben das unterschiedlich. Die Einordnung steht unter Novel Food.

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Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zu Medikamenten wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Quellen

  1. 1.StudieA systematic review on the pharmacokinetics of cannabidiol in humansFrontiers in Pharmacology (). DOI: 10.3389/fphar.2018.01365
  2. 2.StudieA phase I, randomized, double-blind, placebo-controlled, single ascending dose, multiple dose, and food effect trial of cannabidiol in healthy subjectsClinical Drug Investigation (). DOI: 10.1007/s40261-018-0700-y
  3. 3.StudieAn update on safety and side effects of cannabidiol: a review of clinical data and relevant animal studiesCannabis and Cannabinoid Research (). DOI: 10.1089/can.2016.0034
  4. 4.Hinweise zur lebensmittelrechtlichen Einstufung von Cannabidiol (Novel Food)Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ()